Rote Linie – Hilfen zum Ausstieg vor dem Einstieg

Der Einstieg von Jugendlichen in die rechtsextreme Szene ist ein schleichender und oft langwieriger Prozess. Meist erfolgt der Kontakt zum organisierten Spektrum über lose rechte Cliquen. Eine Einbindung geht einher mit einer zunehmenden Verfestigung zunächst diffuser rechter Orientierungen.

Mit dem Einstieg wird eine „rote Linie“ überschritten. In der Szene angekommen, grenzen sich die Jugendlichen in der Öffentlichkeit, in der Familie, in der Schule oder am Arbeitsplatz ab und durch Kleidung, Musik, Symbole und eine eigene Sprache zeigen sie ihre Einstellungen und Orientierungen.
Dieser Einstiegsprozess kann jedoch unterbrochen werden – und hierzu können Eltern, Lehrer und Lehrerinnen, Pädagogen und Pädagoginnen, Ausbilder und Ausbilderinnen und andere Bezugspersonen durch gezielte und sensible Ansprachen, Grenzsetzungen, sowie Beziehungsangebote beitragen.

Das Projekt „Rote Linie – Hilfen zum Ausstieg vor dem Einstieg“ bündelt die Angebote von Jugendarbeit, Elternberatung sowie Ausstiegshilfen und bietet Kontakte sowie kompetente Informationen, Beratung und Fortbildungen an. Damit schließt das Modellprojekt „Rote Linie – Hilfen zum Ausstieg vor dem Einstieg“ eine wichtige Lücke in der pädagogischen Arbeit mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen und ihren Eltern in Hessen. Das Modellprojekt „Rote Linie – Hilfen zum Ausstieg vor dem Einstieg“ fokussiert auf rechte Jugendliche mit diffuser politischer Einstellung, die drohen, in den organisierten Rechtsextremismus abzudriften. Ausgehend von einem zunehmenden Rückgang der pädagogischen Arbeit mit rechten Jugendlichen, richtet sich das Projekt vor allem an Multiplikatoren, die in ihrem Tätigkeitsfeld mit der Problematik konfrontiert sind. Das Projekt möchte auf verschiedenen Professionsebenen – multiperspektivisch – das Projektleitziel realisieren: Auf Ebene der (Erst)Ansprache von rechtsaffinen Jugendlichen, der Elternarbeit und der Jugendarbeit, abgebildet in den drei Projektträgern IKARus (Wiesbaden), JAKOb e.V. (Dillenburg) und St. Elisabethverein (Marburg).

Was Eltern bewegt:
• Wofür stehen die Kleidung und die Symbole, die mein Kind trägt?
• Hört mein Kind rechtsextreme Musik? Wer sind die neuen Freunde?
• Wie kommt mein Kind wieder aus der Szene raus?
• Was können wir dazu beitragen?

Was Pädagoginnen und Pädagogen bewegt:
• Woran kann ich erkennen, ob ein Jugendlicher ein rechtsextremes Weltbild hat?
• Wie kann ich Jugendliche mit rechter Orientierung ansprechen?
• Wer unterstützt mich dabei?
• Worin liegen hier meine Möglichkeiten, meine Grenzen?

Im Projektnetzwerk der beteiligten Träger werden konkrete Methoden der Kooperation und des Informations- sowie Erfahrungsaustauschs erprobt und systematisiert. Dazu erfolgt eine systematische Kooperation mit Partnern auf Ebene von Ausbildungsbetrieben, Trägern außerschulischer Bildung, Schulen, Arbeitsvermittlung, kommunaler Jugendarbeit oder örtlichen Polizeidienststellen.
In Kooperation mit dem beratungsNetzwerk hessen werden weiterhin Beratungen und Fortbildungen, basierend auf den gewonnen Erfahrungen und erarbeiteten Methoden, für relevante Multiplikatoren in Hessen angeboten.
Das Modellprojekt bietet:
• Vertrauliche und kostenlose Beratung von Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen und anderen Bezugspersonen
• (Erst)Ansprache von rechtsaffinen Jugendlichen
• Vermittlung von Kontakten zu Schulen, Behörden, Polizei
• Informationen und Fortbildungen rund um das Thema Rechtsextremismus

Ein besonderes Augenmerk richtet das Projekt auf die systematische Ausarbeitung von Kriterien, wie Ausbildungsbetriebe als eine Ressource für die Intervention bei rechtsaffinen Jugendlichen gewonnen werden können. Darüber hinaus besteht hier das Ziel, bei Bedarf ausstiegswillige Jugendliche an (Ausbildungs)Betriebe zu vermitteln, mit dem Angebot, einer weiteren Betreuung und Begleitung des Jugendlichen durch das Projekt.

Kontakt:

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c/o St. Elisabeth-Verein e.V.
Hermann-Jacobsohn-Weg 2
35039 Marburg
Hotline: 06421 889 0998
kontakt@rote-linie.net
www.rote-linie.net